Exkursion - mehrjährige Begrünung im Weingarten

14.07.2026

Exkursion - mehrjährige Begrünung im Weingarten Region Wagram

Praxisbeispiel „Klimafitte mehrjährige Begrünung im Weingarten“ der KLAR! Wagram

Der Weinbau steht angesichts des Klimawandels vor großen Herausforderungen: Längere Trockenperioden, zunehmende Hitze und Starkregenereignisse machen den Winzer:innen zu schaffen. Besonders problematisch ist dabei die Bodenerosion. Wenn Regen in kurzer Zeit auf ausgetrocknete Böden trifft, wird wertvoller Oberboden abgeschwemmt und langfristig die Fruchtbarkeit der Weingärten gefährdet.

Um mögliche Lösungen für eine klimafitte Bewirtschaftung vorzustellen, lud die KLAR! Wagram die Klimamodellregion Retzer Land zu einer Exkursion in die Region Wagram ein. Gemeinsam besichtigten interessierte Winzer:innen aus dem Retzer Land und Schüler:innen der Landwirtschaftlichen Fachschule Hollabrunn einen Weingarten in der Ried Schillingsberg in Thürnthal, Gemeinde Fels am Wagram. Dort konnten sie das Best-Practice-Projekt „Klimafitte mehrjährige Begrünung im Weingarten“ kennenlernen und wertvolle Einblicke in die bisherigen Erfahrungen und Erkenntnisse aus der praktischen Umsetzung gewinnen.

Mehrjährige Begrünungen für widerstandsfähige Weingärten

Das Projekt wurde im April 2021 von der KLAR! Wagram in Kooperation mit der HBLA Klosterneuburg sowie der HBLFA Raumberg-Gumpenstein gestartet. Ziel ist es, mehrjährige Begrünungen in den Weingärten zu etablieren und damit die Böden langfristig widerstandsfähiger gegenüber den Folgen des Klimawandels zu machen.

Dafür wurden mittels Umkehrfräse und geteiltem Säkasten drei unterschiedliche Begrünungsvarianten angelegt: eine artenreiche Mischung aus Kräutern und Leguminosen, eine Klee-Mischung sowie eine Kräuter-Mischung. Die Begrünungsmischungen wurden zwischen den Fahrspuren ausgebracht, während in den Fahrspuren robustes Raygras wächst. Diese Kombination sorgt für eine gute Befahrbarkeit und gleichzeitig für einen dauerhaft begrünten Boden. Und es werden in den Begrünungen deutlich weniger unerwünschte Beikräuter - insbesondere Amaranth – beobachtet.

Auch der Pflegeaufwand ist vergleichsweise gering: Ein- bis zweimal pro Jahr wird hoch gemulcht, damit die Pflanzen aussamen und sich selbst erhalten können. Eine jährliche Neuansaat ist dadurch nicht notwendig.

Erfolgreiche Ergebnisse nach fünf Jahren

Nach fünf Jahren zeigt das Projekt weiterhin beachtliche Ergebnisse: Die artenreiche Mischung weist rund 70 % Bodenbedeckung auf, und etwa zwei Drittel der ursprünglich ausgesäten Arten sind noch vorhanden. Auch die beiden anderen Begrünungsmischungen erweisen sich als deutlich stabiler als herkömmliche Standardbegrünungen. Das Raygras in den Fahrspuren zeigt sich zudem als besonders widerstandsfähig gegenüber regelmäßiger Befahrung.

Neben dem Schutz vor Bodenerosion fördern die mehrjährigen Begrünungen die Biodiversität und verbessern die Bodenstruktur. Gleichzeitig lassen sich Überfahrten und der Pflegeaufwand reduzieren.

Ein wichtiger Punkt für viele Winzer ist die Frage nach der Wasserkonkurrenz zwischen Begrünung und Reben. „Wasserkonkurrenz zwischen Begrünung und Reben ist zum Glück kein Problem“, betont Winzer Franz Paschinger. Allen, die das nicht glauben, rät er: „Begrünungen einfach selbst ausprobieren! So habe ich auch gestartet – und gemerkt, dass es hervorragend funktioniert.“

Ein Blick hinter die Kulissen der Fassherstellung

Im Anschluss besuchte die Gruppe die Fassbinderei G. Benninger in Grafenwörth. Dort erhielten die Teilnehmenden Einblicke in die einzelnen Arbeitsschritte der Fassherstellung und lernten die traditionelle Handwerkskunst hinter der Produktion von Holzfässern kennen.

 

Der Besuch in der KLAR! Wagram zeigte anschaulich, wie Maßnahmen zur Klimawandelanpassung im Weinbau praktisch umgesetzt werden können und welche Erfahrungen sich daraus für andere Weinbauregionen ableiten lassen.

 

 

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