Natur im Wandel - breites Interesse

11.03.2026

Natur im Wandel - breites Interesse KLAR Wagram

Natur im Wandel: Große Resonanz bei Informationsabend zu invasiven Neophyten in Tulbing

Über 120 Gäste informierten sich über Herausforderungen und Lösungsansätze

Mehr als 120 Besucherinnen und Besucher folgten am 9. März der Einladung zur Informationsveranstaltung „Natur im Wandel – Invasive Neophyten als Herausforderung für unsere Artenvielfalt“ im VAZ Tulbing. Vertreterinnen und Vertreter aus Gemeinden, Institutionen sowie zahlreiche interessierte Bürgerinnen und Bürger aus der Region nutzten die Gelegenheit, sich über Ursachen, Auswirkungen und mögliche Gegenmaßnahmen zu informieren. Die große Teilnahme – Gäste reisten unter anderem aus St. Pölten, Floridsdorf, Kirchberg am Wagram oder Altlengbach an – zeigte deutlich, wie präsent das Thema bereits in der Region ist.

Breites Interesse und gemeinsames Ziel

Durch den Abend führte Moderator Christian Laudenbach. Tulbings Bürgermeisterin Anna Haider begrüßte die zahlreichen Gäste und bedankte sich besonders bei Markus Bläuel, der als Tulbinger die Initiative für die Veranstaltung ergriffen hatte. Auch Andreas Weiß vom UNESCO Biosphärenpark Wienerwald betonte in seinem Eingangsstatement die Bedeutung, die einzigartige biologische Vielfalt der Region langfristig zu erhalten. Eine interaktive Abfrage unter den Teilnehmerinnen und Teilnehmern zeigte zudem, dass viele invasive Pflanzenarten bereits aus der eigenen Umgebung bekannt sind.

Fachinputs aus Wissenschaft und Praxis

Markus Bläuel: Lokale Initiativen gegen Staudenknöterich

Markus Bläuel, Initiator der Veranstaltung und engagierter Bürger aus Tulbing, gab einen Einblick in die praktische Arbeit gegen invasive Pflanzenarten in der Region. Er erklärte, dass Neophyten grundsätzlich Pflanzen seien, die nach 1492 nach Europa gelangten – darunter auch heute alltägliche Kulturpflanzen wie Sonnenblumen, Tomaten oder Erdäpfel. Problematisch seien jedoch jene Arten, die sich stark ausbreiten und heimische Lebensräume verdrängen.

Bläuel gründete in Mauerbach die „Taskforce Staudenknöterich“, die mittlerweile rund 40 Mitglieder zählt. Über ein eigenes „Staudenknöterich-Radar“ werden Vorkommen systematisch gemeldet und dokumentiert. In Mauerbach wurden bereits 63 Standorte erfasst, in Tulbing derzeit zwölf. Ziel der Initiative ist es, neue Bestände möglichst früh zu erkennen und gemeinsam Maßnahmen zu setzen.

Rea Maria Hall: Warum sich invasive Arten so erfolgreich ausbreiten

Biologin Rea Maria Hall von der Universität für Bodenkultur Wien erläuterte die ökologischen Hintergründe invasiver Pflanzenarten. Viele dieser Arten seien ursprünglich etwa als Zierpflanzen nach Europa gebracht worden, etwa aus Asien. Da sie hier keine natürlichen Feinde besitzen und besonders anpassungsfähig sind, können sie sich oft schneller ausbreiten als heimische Pflanzen.

Zusätzlich begünstigen Veränderungen in der Landnutzung sowie Klimawandel die Ausbreitung. Neue Arten treffen auf heimische Pflanzen, mit denen sie keine gemeinsame Entwicklungsgeschichte haben. Dadurch entstehen Konkurrenzsituationen, in denen invasive Arten häufig die Oberhand gewinnen und ganze Lebensräume dominieren.

Am Beispiel des Staudenknöterichs zeigte Hall die besonderen Herausforderungen der Bekämpfung. Die Pflanze vermehrt sich über Rhizome, deren Wurzeln sich bis zu 15 Meter im Boden ausbreiten können. Selbst kleinste Wurzelstücke treiben erneut aus. Verschleppungen erfolgen häufig über Baustellen, Erdaushub oder Fahrzeuge. Verschiedene Bekämpfungsmethoden wurden bereits getestet, viele davon zeigen nur begrenzten Erfolg oder benötigen lange Zeiträume. Besonders vielversprechend seien derzeit bestimmte Injektionsmethoden oder chemische Behandlungen, deren Einsatz jedoch noch nicht zugelassen ist.

Alexander Mrkvicka: Erfahrungen aus dem Management der Stadt Wien

Alexander Mrkvicka von den Forst- und Landwirtschaftsbetrieben der Stadt Wien stellte die Strategien der Stadt Wien im Umgang mit invasiven Arten vor. Am Beispiel des Götterbaums berichtete er über das Neobiota-Management und konkrete Maßnahmen im Wiener Stadtwald.

Eine Methode basiert auf der gezielten Behandlung der Bäume mit einem heimischen Pilzpräparat, das den Baum zum Absterben bringt. Wichtig sei dabei eine sorgfältige Anwendung durch geschulte Fachkräfte. Geduld spiele ebenfalls eine große Rolle, da es oft Monate dauern kann, bis ein Baum vollständig abstirbt. Entscheidend sei zudem eine genaue Dokumentation der behandelten Pflanzen.

Mrkvicka berichtete auch von praktischen Erfahrungen: Nach einer Durchforstung tauchte auf einer Fläche plötzlich massenhaft Götterbaum-Nachwuchs auf, da Samen jahrelang im Boden überdauern können. Gemeinsam mit Schulklassen wurden rund eine Million Jungpflanzen entfernt – heute ist die Fläche wieder frei von dieser invasiven Art.

Podiumsdiskussion: Erfahrungen aus Praxis, Forschung und Verwaltung

In der anschließenden Podiumsdiskussion brachten mehrere Expertinnen und Experten ihre Perspektiven ein.

Edwin Herberger aus Neulengbach berichtete aus der praktischen Arbeit im Gelände. Trotz oft kleiner Teams konnten durch kontinuierliche Pflege zahlreiche Staudenknöterich-Bestände zurückgedrängt oder sogar vollständig entfernt werden – entscheidend seien Ausdauer und langfristige Betreuung der Flächen.

Christoph Plutzar von der Kommunalkredit Public Consulting stellte den Biodiversitätsfonds des Bundes vor. Über dieses Förderinstrument können Projekte zur Eindämmung invasiver Arten finanziell unterstützt werden, eine neue Ausschreibungsrunde wird im Frühjahr erwartet.

Bernhard Haidler von „Natur im Garten“ betonte die wichtige Rolle privater Gärten. Viele invasive Pflanzen hätten ihren Ausgangspunkt als Zierpflanzen in Gärten gehabt. Information und Prävention seien daher zentrale Maßnahmen, gleichzeitig sprach er sich für strengere gesetzliche Regelungen beim Verkauf problematischer Arten aus.

Barbara Moser vom Verein WurzelWerk hob die Bedeutung von Öffentlichkeitsarbeit hervor. Durch Projekte, Medienarbeit und Beispiele für alternative Nutzungsmöglichkeiten – etwa von Staudenknöterich als Farbstoff oder für medizinische Wirkstoffe – könne das Thema stärker ins Bewusstsein der Bevölkerung gebracht werden.

Auch der UNESCO Biosphärenpark Wienerwald beschäftigt sich intensiv mit invasiven Pflanzen. Direktor Andreas Weiß und Johanna Scheiblhofer berichteten über die zunehmende Zusammenarbeit zwischen Gemeinden, Initiativen und Organisationen, um Erfahrungen auszutauschen und Maßnahmen besser zu koordinieren.

Auftakt für weitere Aktivitäten in der Region

Die Veranstaltung wurde von Markus Bläuel (Neophytenmanagement Tulbing & Mauerbach) und Rupert Wychera (KLAR! Tullnerfeld Ost) organisiert, in Kooperation mit Stefan Czamutzian (KLAR! Wagram), dem UNESCO Biosphärenpark Wienerwald sowie weiteren Partnerorganisationen. Ziel des Abends war es, Wissen zu bündeln, regionale Initiativen zu vernetzen und neue Mitstreiterinnen und Mitstreiter zu gewinnen.

Der Informationsabend bildete zugleich den Auftakt für weitere Aktivitäten in der Region. In den kommenden Monaten sind mehrere lokale Termine und gemeinsame Aktionstage geplant, bei denen konkrete Flächen bearbeitet werden. Ein erster Einsatz in Tulbing ist für Anfang Mai vorgesehen, weitere Veranstaltungen sind auch in Mauerbach geplant.

Beim anschließenden regionalen Buffet nutzten viele Gäste die Gelegenheit zum Austausch mit den Referentinnen und Referenten. Die Veranstaltung machte deutlich: Der Umgang mit invasiven Pflanzenarten wird zunehmend zu einer gemeinsamen Aufgabe von Gemeinden, Naturschutz, Landwirtschaft und Bevölkerung – und erfordert langfristiges Engagement sowie Zusammenarbeit vor Ort.

Foto Copyright: Region Wagram 

Foto v.l.n.r. Christoph Plutzar (KPC-Kommunal Public Consulting GmbH), Rupert Wychera (KEM und KLAR Tullnerfeld OST), Alexander Mrkvicka (Stadt Wien), Rea Maria Hall (Universität für Bodenkultur Wien), Markus Bläuel (Neophytenmanagement Mauerbach/Tulbing), Johanna Scheiblhofer (Biosphärenpark Wienerwald), Bürgermeisterin Anna Haider (Marktgemeinde Tulbing), Bernhard Haidler (Natur im Garten), Stefan Czamutzian (KEM und KLAR Region Wagram) und GGR Christina Eireiner (Marktgemeinde Tulbing, Ausschuss Klimawandelanpassung)

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